News: Schriftzug: "Die ganze Welt bescheisst - lass uns doch ehrlich sein" auf einer Straßenwand mit den Schatten der Moderatoren

pic_konzert_grandmasterflash_romys_201121. Januar 2011 – Im Romy S. in der Stuttgarter Stadtmitte gab sich einer der Hip-Hop-Gründerväter die Ehre. Der Mann, der den Plattenspieler zum Instrument gemacht hat, hat immer noch Lust auf den Sound, der ihn (zusammen mit den Furious Five) als ersten Hip-Hop-Künstler in die Rock’n’Roll Hall of Fame gebracht hat…

(Fotos)

… und damit sollte er bis heute der einzige neben den Jungs von „Run DMC“ bleiben. Mit Grandmaster Flash (mit bürgerlichem Namen Joseph Saddler) beehrt das Romy S. also eine wirkliche Legende. Entsprechend schnell waren die Karten im Vorverkauf weg. Damit hat man wohl nicht gerechnet, sonst hätte man sich wohl einen größeren Club herausgesucht, denn auch die Schlange an der Abendkasse reichte runter bis zur Kronprinzenstraße…

Das Romy S. platze aus allen Nähten und war mit geschätzten 400 Gästen am Limit. Dennoch war die Stimmung gut und die Leute locker, auch wenn Herr Flash nicht um 23 Uhr seine Turntabels in Betrieb nahm wie angekündigt. An so einem Samstag Abend hat es ja keiner eilig.

Von den Ersten an den Plattentellern –  Bow Tie & Device – haben die meisten nur wenig mitbekommen. Sie schafften es leider nicht wirklich die Menge bereits in Stimmung zu versetzen – könnte daran gelegen haben, dass der Sound zu wenig Old School und nicht den Hip Hop Nerv der Leute traf…

Gegen 1 Uhr kam dann Bewegung in die Menge. Flashs Helfer brachten Plattenkisten Richtung DJ Pult… schnell zogen die Massen hinterher. Tatsächlich ging es doch noch los… und schnell wurde allen klar. Heute wird hier Hip Hop gefeiert.

Der Grandmaster legte alles auf was Rang und Namen hatte für Leute, die diese Hip Hop Musik so lieben. Das EFX , Arrested Development, Big L, Dr. Dre. KRS One, Luniz, … servierte er auf dem Plattenteller, um nur einige zu nennen. Meist waren es nie länger als max. 2 Minuten pro Track, die mit gekonnten Scratshes ineinander übergingen. Wer es liebt, kam in einen richtigen Rausch 😉

Und natürlich durfte ein Track nicht fehlen. Die Leute rasteten aus, als die ersten Takte von „The Message“ aus den Boxen kamen. Einer ließ sich dazu hinreißen, sich vor dem DJ Pult mehrfach zu verneigen. Der Chorus wurde wie selbstverständlich abgedreht. „It’s like a jungle, sometimes it makes me wonder how i keep from goin’ under… ha-ha-ha-ha-ha”… das hatten alle drauf und auch der Rest des Textes war für viele kein Problem. Schön, wenn man einen 53 jährigen Mann, der eigentlich HipHop technisch schon alles gesehen haben sollte, damit noch begeistern kann 🙂

Insgesamt war das Publikum (aus allen Altersschichten, logisch) sehr textsicher und hatte sichtlich Lust am feiern. Wer es auf die kleine Tanzfläche vor Grandmaster Flash schaffte gab alles. Ständig waren die kleinen Gänge zur Tanzfläche voll mit sich drängenden Leuten. Jeder hatte ein Lied, das ihn nicht mehr aushalten ließ nur hinten zu stehen, andere nahmen sich eine Auszeit. Bewegung war immer und überall, Platz zum tanzen eher spärlich. Aber „Hände hoh´“ halten war immer drin, was Flash immer wieder lautstark über sein Mikro forderte. Zu „Springe, Springe“ war allerdings eher weniger Platz. (Es ist aber einfach immer schön wenn einer aus den Staaten ein paar Brocken deutsch lernt, das ist einfach eine nette Geste und natürlich lustig ;))

Ja, Herr Flash hatte immer etwas zu sagen. Auch das man ihn auf MySpace und Twitter „hitten“ sollte. Das ging mit der Zeit aber tatsächlich auf die Nerven. Die Leute werden das bei Interesse so oder so machen, das braucht einem nicht alle (gefühlte) zwei Tracks gesagt werden…

Was ebenfalls viele missmutige Stimmen hervorbrachte war, dass er (vor allem in der zweiten Hälfte) auch Musik spielte, die mit Hip Hop nicht viel gemein hatte. Es liefen Sachen aus den Charts, Elektromukke oder Grunge. Einige konnten dazu abgehen, einige nicht. Wenn man sich nach dem Konzert mit Leuten unterhielt, hörte man oft Dinge wie „…dass mit dem anderen Sound hätte er sich sparen können“. Manche sahen es noch drastischer, manchen machte es weniger aus und waren froh über die Pause.

Leider präsentierte er seine Skills am Plattenspieler nur sehr selten. Übergänge, Breaks oder kurze Anheizer, aber keine Scratches ‚ behind the back‘, mit dem Fuß (soll es schon gegeben haben) oder einfach keine paar Minuten reines DJing. Das er es kann hat er schon oft bewiesen, leider sind die Stuttgarter dieses mal nicht in den Genuss gekommen.

Nach knapp 2 Stunden packte Grandmaster Flash seine Platten wieder ein. Er verabschiedete sich kurz und ließ schon während dem Konzert verlauten, dass Berlin und Italien nicht annähernd so gerockt haben wie Stuttgart. Hört man gern, aber auch immer wieder 😉 – aber wer dann in seinem Twitter-Account lesen kann „Club Romy Stuttgart Germany full throttle on all the genres includin Dubstep and Electro Djs it was one of those nites“ glaubt ihm nachträglich…

Fazit: Im Nachhinein erwies sich das Romy S. als Glücksfall. Gemütliche Atmosphäre, eng aber passend. Dazu ein Partyvolk und ein DJ, die sich gegenseitig pushten immer mehr zu geben. Wer keine deepen Sachen erwartet, die alte Schule liebt und ihm den ein oder anderen Ausrutscher in die Popschiene verzeiht, dem sei geraten: Erweist diesem Mann die Ehre und besucht seine Gigs. Nebenbei kommt ihr auch voll auf eure Kosten und die sind mit 15 Euro sowieso nicht so hoch. Man feiert Hip Hop, Grandmaster Flash und sein eigenes Gedächtnis 😉

Für alle visuellen Menschen gibts natürlich auch wieder reichlich Beweisfotos.

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